Un estate senza italiani

von Renato Cavoli*

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Chiaro: Eine Fussball-WM ohne Italiani und ohne das martialisch angehauchte «Fratelli d’Italia», das geht eigentlich gar nicht. Aber wer in der Qualifikation an Schweden ohne deren «Gott Zlatan» scheitert, der soll zu Hause bleiben. Basta!

Logisch war ich, als es im November 2017 in Mailand schliesslich mit einem 0:0… für Schweden endete, zuerst mehr «arrabbiato» als sämtliche penne jemals arrabbiate sein können. Aber ganz ehrlich: Der Ärger hielt nur einen Abend lang an. Dann waren meine und Gigi Buffons Tränen getrocknet. Denn Italiens aktuelle squadra nazionale war nur mehr ein leiser Abklatsch dessen, was die campioni der notti magiche 2006 anlässlich des deutschen Sommermärchens auf den Rasen zauberten. Vor Buffon malträtierte damals Gigis Prätorianer-Garde mit Zambrotta, Cannavaro, Materazzi und Grosso alles, was auf sie zustürmte. Im Mittelfeld biss Gattuso auf und in alles, was an ihm vorbeiwollte. Und dann zauberte und orchestrierte dieser magische Pirlo alla grande. Jetzt hat das Team zu wenig italianità und vor allem zu wenig grinta. Zu wenig von jenem verbissenen Kampfgeist, mit dem wir in Deutschland zum vierten Mal die WM-Trophäe holten.

Gut, wir haben noch Gigi «il santo» Buffon. Aber davor sind seine Juventini Barzagli, Chiellini und der traditore Bonucci etwas in die Jahre gekommen. Und im Mittelfeld ist keiner, der ordnet und dirigiert. Kein fantasista tutto campo. Wir müssen auf die neue Generation warten… und hoffen. Aber ein Pirlo ist weit und breit noch keiner in Sicht. Also hören wir auf Gigi, den ewigen Torwart. Er sagte nach dem WM-Out unter Tränen: «Wir kommen wieder! Pazienza ragazzi!» Gigi, wem, wenn nicht dir, sollen wir glauben?
So drücke ich in den kommenden Wochen England die Daumen. Denn ausser meinen Italienern beherrscht niemand das Drama so sehr wie die «Three Lions». Und Fussball muss für mich, zumal in den ganz grossen, entscheidenden Spielen, zwingend auch ein wenig Drama sein. Es muss ja nicht mit einem Dolchstoss enden. Ein Kopfstoss reicht auch. Es gibt da einen, der sorgte «kopfstossend» 2006 zuerst einmal für «una brutta figura» und machte danach mit seinen Italienern «bella figura» und wurde Weltmeister…

*Renato Cavoli ist eine Sport-Legende und schrieb fast 18 Jahre lang für den Willisauer Boten. Er war langjähriger Sportchef des WB.

Vor Schweiz-Brasilien: Im Dilemma? Mitnichten!

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Für wen bist du denn am Sonntag? Das ist aktuell die häufigste Frage, der ich mich als bekennender Brasil-Fan vor dem WM-Knüller der Seleção gegen die Schweiz stellen muss. Meine klare Antwort – für Brasilien! – stösst nicht überall auf Verständnis. Gelinde gesagt. Denn einige hauen gar heftig mit der Patriotismuskeule auf mich ein: Das geht doch nicht. Du bist doch Schweizer. Bist du heimatmüde? Schämst du dich nicht?

Ob ich mir denn vorstellen könnte, dass ein Brasilianer die Schweiz anfeuern würde, werde ich gefragt. Unmöglich, oder? Okay, beim Fussball mag das stimmen. Aber wenn Roger Federer gegen einen Brasilianer aufschlägt, dann sehr wohl. Auch damals, als die Südamerikaner mit Gustavo Kuerten noch in den Top Ten vertreten waren. Und Brasilien ist und bleibt nun einmal der Roger Federer des Fussballs: der Meister aller Klassen.

Seit Kindsbeinen schwärme ich für die gelbgrünen Ballzauberer vom Zuckerhut. Wegen Pélé. Genauso wie es Karli Odermatts Verdienst ist, dass ich als Luzerner die rot-blaue FCB-Fahne hochhalte. Und Franco Causio, il Barone tornante, mein Juve-Gen begründet hat. Diesem Dreigestirn bin ich bis heute treu geblieben. Und ist Treue nicht auch ein Wert? Eine mindestens so ehrenwerte Tugend wie Vaterlandsliebe und dergleichen?

In diesem Sinne: Força Brasil!

 

Grenzenloser Jubel

Ägypten ist zum dritten Mal an einer Fussball-Weltmeisterschaft dabei. Grenzenlos war  die Freude im letzten Herbst, als nach dem 2:1-Heimsieg gegen die Republik Kongo die Qualifikation geschafft war. Den entscheidenden Treffer von Superstar Mohammed Salah fiel in der Nachspielzeit (90. + 5) und eine riesige Euphorie aus, wie das Youtube-Video zeigt. PS: Ägypten steigt heute mit dem Match gegen Uruguay ins (14 Uhr) ins Turnier ein.

 

 

 

 

 

 

 

Kick auf der Zunge

Was bedeutet Abseits? Gemäss Duden: entfernt von etwas. Wer ist Roman Bürki? Der ist heiss. Welches Land gewinnt die Fussball Weltmeisterschaft 2018? Das ist mir sowas von schnuppe. Trotzdem möchte ich wenigstens ein bisschen mitfiebern können. Ein Hauch WM-Luft schnuppern. Die freudige Aufregung kosten. Kosten – denn Kultur beginnt auf der Zunge. Serbien, England, Mexiko: alle Herren Länder sind auf dem Spielpan zu finden. Der Auftakt macht das Gastland. приятного аппетита!

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Bliný

Art: Vorspeise

Zutaten

Teig:
300 g Halbweissmehl oder Weissmehl
20 g Hefe (0.5 Würfel)
1 Teelöffel Zucker gestrichen
25 g Butter
1.5 dl Wasser
1 dl Milch
1 Esslöffel Crème fraîche
0.5 Teelöffel Salz
2 Stück Eier
Butter zum Backen

Füllung:
0.5 dl Rahm
0.5 Bund Dill
1 Becher Halbrahm sauer
1 Esslöffel Senf
Salz, Pfeffer aus der Mühle
300 g Rauchlachs in Scheiben geschnitten

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Zubereitung:
Das Weissmehl in eine Schüssel geben und in der Mitte eine Vertiefung anbringen. Die Hefe mit dem Zucker flüssig rühren und in die Mehlmulde giessen. Mit etwas Mehl decken.

In einem Pfännchen die Butter schmelzen. Vom Feuer ziehen. Wasser, Milch und Crème fraîche verrühren und mit dem Salz zur Butter geben. Die Eier verquirlen und beifügen. Alles zum Mehl giessen und zu einem Teig rühren. Diesen an einem warmen Ort in der Küche oder im 40 Grad heissen Backofen etwa 40 Minuten aufgehen lassen.

In einer Bratpfanne etwas Butter erhitzen. Jeweils 3–4 Blinis auf einmal backen: je 1 Esslöffel Teig auf den Pfannenboden geben. Bei milder Hitze zugedeckt den Teig zuerst ein wenig aufsteigen lassen, dann die Blinis beidseitig fertig backen. Warm stellen.

Den Rahm steif schlagen. Den Dill hacken. Beides sorgfältig mit dem sauren Halbrahm und dem Senf mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Lachsscheiben in breite Streifen schneiden. Mit der Sauerrahmsauce mischen.

Die warmen Blinis auf Tellern anrichten und bergartig mit je etwas Rauchlachsmasse belegen. Sofort servieren.

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Alternative: Blinis werden nicht nur mit Rauchlachs genossen, sondern können auch mit Sauerrahm und Kaviar, in Milch eingelegte Sardellen, Quark, Konfitüre oder Kompott belegt werden.

Fazit: Das Rezept hat mir auch ohne Ballkontakt den Kick gegeben.

Quelle: https://www.wildeisen.ch/rezepte/blinis-mit-rauchlachs

Bücher lesen statt Fussball schauen

Daniela Waser, unsere redaktionelle Mitarbeiterin, ist kein Fussball-Fan. Die 20-jährige Ruswilerin hat ein paar Alternativtipps für WM-Muffel parat:DSC_0368

Die Fussball-Weltmeisterschaft ist nicht jedermanns Sache: Und ja. Es gibt sie noch: Die „Unmenschen“, welche die diesjährige Fussball-WM in Russland kalt lässt. Mich zum Beispiel. Hier darum einige Tipps für all jene, die am liebsten einen grossen Bogen um die Fussball-WM in Russland machen möchten:

> Anstatt 90 Minuten lang erwachsenen Männer dabei zuzuschauen, wie sie einem Ball hinterher rennen, schnappt man sich ein gutes Buch und verzieht sich nach draussen an die frische Luft. Da die WM-Fans alle gebannt vor dem Fernseher sitzen, läuft man nicht Gefahr, in eine Fussballdiskussion verwickelt zu werden.

> Auch eine Grillparty mit anderen „WM-Muffeln“ ist eine gute Möglichkeit, dem Fussballgequatsche über die WM zu entgehen. Die einzigen WM-Diskussionen, die hier geführt werden, sind jene, welche die Weltmeisterschaft in Frage stellen.

> Um den Diskussionen der Fussballfans über die WM-Partien zu entgehen, empfiehlt es sich, lärmisolierte Kophörer zu kaufen und eine Anti-WM-Playlist zu erstellen und diese rauf und runter zu hören, bis die Gespräche beendet sind.

> Um immer für die Flucht vor dem Weltmeisterschaftstantam gewappnet zu sein, gehören Laufschuhe zur Pflichtausrüstung. Sobald jemand ein WM-Gespräch beginnt, holt man die Schuhe hervor, schnürt sie zu und rennt so schnell wie möglich davon. Kurz vor Russland muss man aber bremsen. Denn einmal dort, gibt es kein Entkommen mehr.

 

 

Die WM-Playlist

Richtig miese Fussballsongs – beispielsweise gesungen von Mickie Krause oder ähnlichen Tieffliegern – gibt es allerhand. Es gibt aber auch gute Fussballlieder. Gerry & The Peacemakers mit „You’ll Never Walk Alone“ ist ein Beispiel. Oder „Three Lions“ von The Lightning Seeds. Für Fussballfans und Musikliebhaber haben wir eine Playlist zusammengestellt. Es hat „typische“ Fussballlieder dabei. Aber: Längst nicht nur. Das Spezielle an der WM-Playlist: Es sind Songs aus allen 32 teilnehmenden Ländern zu hören. Von A wie Ägypten mit Samira Said bis U wie Uruguay mit Trotsky Vengaran. Vorab entschuldigen möchten wir uns für Song „Head Bangeeeeerrrrrrr!!!!!“ der japanischen Babymetal.

 

WB-Redaktorinnen und WB-Redaktoren tippen den Weltmeister

In elf Tagen rollt der Ball an der WM in Russland. Langsam beginnt auf der WB-Redaktion das Fussballfieber auszubrechen. Das Werweissen hat begonnen: Schaffen die Deutschen die Titelverteidigung? Holen sich die Spanier den Pott zurück? Schafft ein Aussenseiter wie Kolumbien eine Sensation? Wer weiss: Die Böttuanerinnen und Böttuaner bekennen Farbe und tippen den Weltmeister – schon bald.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.57.45Pascal Vogel: Benzema, Coman, Lacazette, Payet – mit diesen Stürmern im Kader würde ich der Schweiz einiges zutrauen an der WM. Doch erstens haben diese Spieler keinen Schweizer Pass und zweitens sind sie nicht an der WM mit dabei. Beides könnte man ändern: Es lebe die erleichterte Einbürgerung. Zu spät? Ach was, Sepp Bla… ääh Gianni Infantino wirds schon richten. Und sonst geben sich die Herren einfach als Westschweizer aus. Müsste klappen. Wieso eigentlich nicht gleich die ganze französische Mannschaft annektieren? Der Weltmeistertitel wäre uns sicher! «Allez les rouges».

Stefan Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.57.01 Calivers: 1:7 gegen Deutschland: der Stachel von Belo Horizonte sitzt noch tief.  Er   muss r aus. Der «Revanche»-Sieg im Olympiafinale vermochte die stärksten Blutungen zw  ar zu stillen. Doch Heilung bringt nur der sechste Stern: Hexacampeão. Der Heil ungsprozess schreitet schneller voran als erwartet. Der W underheiler heisst Tite. Seine Seleçao ist eine fein austarier­te Mannschaft. Neymar nur einer von 23, der am 15. Juli den Pokal in die Höhe stemmen wird. In Moskau. Weit, weit weg von Belo Horizonte.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.50.06Patrik Birrer: 2006 die Ukraine, 2014 Argentinien, 2016 Polen. Penaltyschiessen, Verlängerung, Penaltyschiessen. Dreimal Achtelfinal. Dreimal verdammt knapp gescheitert. Nun ist die Zeit reif für mehr. Der Himmel ist das Ziel. Oder zumindest Moskau. Der 15. Juli. Das WM-Finale. Realitätsfremd? Utopisch? Arrogant? Diese (Zurück-)Haltung ist typisch schweizerisch. Doch die aktuelle Nati ist im positiven Sinn anders. Obwohl sie gerade deshalb im eigenen Land einen schweren Stand hat, wird sie in Russland alle begeistern.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.58.22Stephan Weber: Ich weiss: England hat an Fussball-Grossanlässen sechs von sieben Penaltyschiessen verloren. Aber: Es gibt Statistiken, die können einem Mut machen. Es gibt nämlich ein Team, das noch schlechter Elfmeter schiesst als meine «Three Lions»: die Schweiz. Zwei Penaltyschiessen, keines gewonnen. Nur vier von acht Elfmetern verwandelt. Darum mein Finaltipp: England gewinnt gegen die Schweiz nach Elfmeterschiessen. 1:0.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.58.47Monika Wüest: Klare Sache: England wird Weltmeister! Die Entscheidung fällt – wie schon einmal – im Final gegen Deutschland. Dort sprechen zwei Faktoren für England. 1. Die Statistik: England hat noch keinen einzigen WM-Final verloren, Deutschland bereits deren vier. 2. Der Torhüter: Im Gegensatz zum Champions-League-Final steht der deutsche Torhüter diesmal im deutschen Tor. Englische Goalies sind zwar, so lehrt es uns die Geschichte, auch nicht ganz unfehlbar. Doch diesmal kommt es gut: Jordan Pickford ist der neue Gordon Banks.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.53.53Norbert Bossart: Das Turnier in Russland ist die letzte Chance für den besten Fussballer aller Zeiten, den WM-Titel doch noch zu gewinnen. Gewiss, Messi und «die alten Männer» spielten eine schwache Qualifikation. Doch die argentinische Mannschaft kann mit ihren routinierten und technisch versierten Schlüsselspielern jedem Team die Stange halten. Und eben: Der Messi(as) will’s und wird’s mit dem einen oder anderen Geniestreich richten und Argentinien in Russland als Kapitän und Torschützenkönig zum dritten Weltmeistertitel führen.

Bildschirmfoto 2018-06-07 um 12.56.19Stefan Bossart: Gebannt sitze ich vor dem Fernsehen, wenn der Mann aus Schenkon über den Mann aus Sursee berichtet. Und auch Trainer Vladimir Petkovic kann sich auf mich verlassen. Ich bin sein zwölfter Mann, stärke ihm und seinem Team den Rücken. Die Schweiz als Weltmeister? Mit Shaqiri, Behrami oder Xhaka haben wir zwar keine Flaschen auf dem Feld – trotzdem prophezeie ich, dass wir weiterhin nur im Pet-Recycling absolute Weltspitze sind. Ein Titel, zu dem ich Becher um Becher das Meine hinzusteuern werde. Bis zum bitteren Ende.